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easyTOUCH im Fokus

Data Modul setzt im Bereich projiziert kapazitive Touchscreens (PCAP/PCT) auf die eigenentwickelte Serie easyTOUCH. Hier ermöglichen neueste PCAP Sensoren und Controllerboards die Mehrfinger- und Gestensteuerung. Jörn Wittig, Head of Product Marketing System Solutions von DataModul, erläutert im Gespräch mit der Redaktion die Vorteile, die die Technologie gerade im medizinischen Sektor bietet.

MED: Die Bedienung von Geräten mittels „Touch-Eingabe„ kommt im medizinischen Bereich bereits seit geraumer Zeit zur Anwendung und wird zugleich immer selbstverständlicher. Dabei wurde in der Vergangenheit sehr stark mit resistiven Touchscreens gearbeitet, die auf Druck reagieren. Welche Vorteile bietet demgegenüber die easyTOUCH-Technologie?

Jörn Wittig: Wir beschäftigen uns bereits seit etwa acht Jahren mit der PCAP/PCT (Projected capacitive) Touch Technologie und sehen uns in diesem mittlerweile ausgereiften Technologiebereich als Vorreiter. Gerade die letzten Entwicklungsschritte der SITO-Technologie und die bei der easyTOUCH-Technologie zum Einsatz kommende, neueste Controller Generation ermöglicht es uns, auf die speziellen Bedingungen im medizinischen Umfeld einzugehen. So waren die Bedienungsmöglichkeiten mittels auf Druck reagierender, resistiver Touchmodule mit Singletouch-Technologie bislang limitiert. Kapazitive Touchscreens erlauben dagegen die Bedienung mit bis zu zehn Fingern. Zudem verkratzt bei Geräten mit resistiver Touchtechnologie oftmals die Oberfläche der Displays und die Bilddarstellung verliert mit der Zeit häufig an Schärfe. Ein weiterer Faktor sind Schwierigkeiten bei der Integration der IP-Schutzanforderungen sowie Einschränkungen beim Design. Diese Schwachstellen lassen sichmit der PCAP easyTOUCH Serie abstellen.

MED: Data Modul setzt auf eine Glasoberfläche, die in Kunststoff oder auch Metallfronten eingeklebt werden. Welche Vorteile bietet das?

Jörn Wittig: Mit einem von uns entwickelten automatisierten Prozess lassen sich Übergänge zwischen Coverglas und Umgehäuse ausfüllen. Es entsteht eine geschlossene Oberfläche, die sich sehr gut reinigen lässt. Spalten, in denen sich Keime festsetzen können, gibt es somit nicht mehr. Das ist gerade im Bereich der Medizintechnik ein sehr wichtiger Aspekt. Hinzu kommt eine Vielzahl an variierenden Designanforderungen, die sich durch das spezielle Coverglas realisieren lassen. Etwa eine den Kontrast verstärkende Oberfläche, die Vorteile bei der Betrachtung von medizinischen Bildern bietet. Außerdem lässt sich die Oberfläche des Schutzglases vielfältig bearbeiten. Erfolgt etwa die Bedienung eines Gerätes hauptsächlich über den Touchscreen, kann es vorteilhaft sein, die Oberfläche aufzurauen. Dabei bleibt natürlich das geschmeidige Gleiten der Finger wichtig, um auch feine Einstellungen vornehmen zu können. In diesem Fall bietet sich eine Anti-Glare-Oberfläche an. Um Unschärfen durch den sogenannten Linseneffekt zu vermeiden, ist hier allerdings eine optimale Abstimmung zwischen dem Anti-Glare-Level und der Pixelstruktur des TFTs erforderlich. Ein weiterer Vorteil unserer Technologie ist die Möglichkeit, das Design flexibel zu gestalten. Angefangen bei der Oberflächenstruktur bis hin zur Formgebung. Abgerundete Ecken mit unterschiedlichen Radien sind dabei ebenso möglich wie Vertiefungen auf der Displayoberfläche, die eine Führung des Fingers erlauben. Hinzu kommt eine individuell variable Farbgestaltung, die auch das Aufbringen des Kundenlogos einschließt. Den Designwünschen der Kunden sind also keine Grenzen gesetzt.

MED: Gibt es noch weitere Vorzüge?

Jörn Wittig: In unserem Werk in Weikersheim wird der PCAP Touchsensor mittels eines automatisierten Prozesses optisch mit dem Coverglas und dem TFT gebondet. Damit ist es möglich, eine noch bessere Brillanz zu erzielen, da sich der Schwarzwert des TFTs weiter hervorheben lässt und sich Reflexionen innerhalb des Aufbaus vermeiden lassen. Die Folge ist eine verbesserte Ablesbarkeit - auch unter widrigen Lichtverhältnissen. Außerdem ermöglichen PCAP Sensoren und Controllerboards die Mehrfinger- und Gestensteuerung. Zusätzlich lässt sich mit dem Sensor und dem Touchcontroller der neuen T-Serie von Atmel (Microchip Technology) die Handballen-Unterdrückung aktivieren. Auch ist eine optimale Bedienung mit den in der Medizin verwendeten festen Handschuhen möglich.

MED: Können Sie uns etwas über den Aufbau der Technik verraten?

Jörn Wittig: Der Touchsensor ist an einen inhouse entwickelten Touchcontroller angeschlossen. Dieser bietet die Möglichkeit, Signale entweder über USB oder über den seriellen Datenbus I2C anzubinden. Ist ein schlankes Design erforderlich, lässt sich der Controller auch direkt auf die Flexleitung des Touchsensors aufbringen. Weitere Optionen sind SITO Sensoren. Bei den SITO Sensoren wird der Touch auf einer Ebene, eben Single ITO, realisiert, was wiederum sehr schmale Ränder erlaubt und folglich den Designwünschen der Kunden oftmals sehr entgegenkommt.

MED: Im Bereich der Medizintechnik gelten im Vergleich zu anderen Industriezweigen oftmals höhere Anforderungen im Bereich ESD (Elektrostatische Entladungen) und EMV (Elektromagnetische Verträglichkeit). Wie wird Data Modul diesen Anforderungen gerecht?

Jörn Wittig: Mit der von uns entwickelten Software "easy analyser" ist es uns möglich, anhand von Algorithmen das optimale Set-up für die Anwendung des Kunden zu erstellen. Ferner lassen sich die Anzahl der Touchpunkte definieren und die Systemfunktionalität bzw. eventuelle Störfaktoren im Umfeld des medizinischen Gerätes grafisch darstellen. Folglich unterstützt die Firmware das Entwicklerteam dabei, die Usability bestmöglich auf die Anforderungen der Kundenapplikation auszurichten.

MED: Sicherlich gibt es noch weitere Ideen für Innovationen. Welche Technologien sind in nächster Zeit aus dem Hause Data Modul zu erwarten?

Jörn Wittig: Natürlich überlegen wir, wie sich die Usability weiter verbessern lässt und welche Anforderungen zukünftig bestehen können. Aktuell laufen Usability-Studien, wie sich mittels Force Sensing Resistor (FSR), also einem Messelement, das unter Einwirkung von Kraft bzw. Druck seinen elektrischen Widerstand ändert. Die Kombination aus Force Sensor und PCAP Touchsensor, ermöglicht z.B. redundante Lösungen, welche dann mögliche Risiken bei der Bedienung verhindern. Auch entwickelt sich Data Modul mehr und mehr in Richtung Systempartner für Medizinprodukte. Das unterstreicht nicht zuletzt auch die Zertifizierung nach ISO13485, welche Ende 2016 abgeschlossen wurde.

MED: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Das Interview führte Carola Tesche

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DATAMODUL AG
Landsberger Str. 322
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Tel. +49 89 560 17 0
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