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Insbesondere Krankenhäuser setzen vermehrt auf die drahtlose Medizingeräte-Kommunikation. Diese bietet sich für eine Reihe von Geräten an, die bislang über Kabel vernetzt sind. Robert Frodl, Director – DACH Region Customer Development for Engineering Solutions von Plexus erläutert im Gespräch mit der Redaktion die damit verbundenen Herausforderungen und spricht außerdem über Trends, die sich im Sektor der Medizingeräte abzeichnen.

MED: Plexus entwickelt für seine Kunden maßgeschneiderte Lösungen für die drahtlose Kommunikation. Diese Systeme lassen sich auch in bestehende Konzepte integrieren. Welche Bereiche bieten sich an, um bereits vorhandene Designs und Architekturen nachzurüsten?

Robert Frodl: In den letzten Jahren hat das Thema drahtlose Kommunikation gerade im Sektor Krankenhaus stark an Bedeutung gewonnen. Krankenhäuser nutzen eine ganze Reihe über Kabel vernetzte Geräte. Hier können wir somit unsere Kompetenz einbringen. Beispielsweise haben wir eine Infusionspumpe zur Behandlung von Krebspatienten mit drahtloser Kommunikation nachgerüstet. Über die WiFi-Funktionalität ist es nun möglich, die Pumpe zentral zu verwalten.

MED: Welchen Herausforderungen mussten Sie sich dabei stellen?

Robert Frodl: Da es aktuell noch keinen Standard gibt, kommen in Krankenhäusern individuelle Protokolle zum Einsatz. Zudem birgt die Krankenhausinfrastruktur eine enorme Systemkomplexität in sich, die weit über die Anbindung eines Bauraumrestriktionen unterliegenden WiFi-Modules hinaus geht. Daher waren sehr aufwendige Systemtests erforderlich, die teilweise den Entwicklungsaufwand deutlich übertroffen haben.

MED: Die Umrüstung auf drahtlose Kommunikation ist damit sehr komplex…

Robert Frodl: Wird in bereits vorhandene, zertifizierte und zugelassene Software zusätzliche Funktionalität eingebracht, spielen neben den technischen Herausforderungen auch Regularien eine wichtige Rolle. Daher greifen wir hierfür auf erfahrene Qualitätsmanager zurück. Außerdem kommt uns zugute, dass wir in den Sektoren Healthcare/LifeScience, Industrie/Gewerbe, Luftfahrt und Netzwerke/Kommunikation tätig sind. So können wir teilweise auf bereits eingeführte Verfahren zurückgreifen, welche die Komplexität beherrschen und sich für den Bereich der Medizintechnik adaptieren lassen. Neben dieser Toolchain setzen wir außerdem auf Systemtests, die wir gemeinsam mit dem Kunden durchführen.

MED: Die Medizintechnik ist ein äußerst innovatives Feld. Welche Trends zeichnen sich aus Ihrer Sicht derzeit ab?

Robert Frodl: Ein wichtiger Trend ist die personalisierte Medizin. So sehen wir in der individuellen Behandlung eines Patienten auf Basis umfangreicher Analysen einen Megatrend. Damit beispielsweise Analysegeräte näher an den Patienten gebracht werden können, müssen diese schneller und kostengünstiger werden. Letztendlich ist das Ziel, die Geräte vom Labor in die Arztpraxis oder sogar - in der Endausbaustufe - direkt zum Patienten zu bringen. Da mit der steigenden Vernetzung auch der Datenverkehr zunimmt, liegt der Fokus außerdem auf dem Datenschutz. Deshalb gilt es, Protokolle zu definieren und eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen. Das deckt jedoch typischerweise unser Kunde ab. Wir dagegen wollen die technischen Voraussetzungen schaffen, damit die Geräte sicher miteinander kommunizieren können.

Ein weiterer Trend lässt sich unter dem Begriff „Focus on Preventive Care“ zusammenfassen. Wie Untersuchungen zeigen, verursachen chronische Krankheiten 75 % der Gesundheitskosten. Daher soll verstärkt in die Prävention investiert und Systeme näher an den menschlichen Körper gebracht, implantiert oder an den Körper angebunden werden. Diese Systeme müssen folglich immer kleiner werden und bestenfalls drahtlos kommunizieren können. Zudem sollen diese möglichst wenig Energie benötigen.

MED: Wie weit ist man hier schon vorgedrungen?

Robert Frodl: Wir sehen bereits die Möglichkeit Geräte zu entwickeln, die wenig Energie benötigen und damit lange ohne Ladevorgang auskommen. Ohnehin steht sowohl dem Patienten als auch dem Arzt bereits eine gute Infrastruktur zur Verfügung, da inzwischen beinahe jeder ein Smartphone nutzt. Wir entwickeln beispielsweise zertifizierte Apps sowie Endgeräte, um die Ergebnisse bildgebender Verfahren übertragen zu können. Wird das Smartphone mit einbezogen, stellt sich allerdings die Frage der Zuständigkeit. Wann ist es der App-Entwickler und wann ist es der Smartphone-Hersteller? Die Entwicklung einschlägiger Regularien ist somit oft eine größere Herausforderung als die Entwicklung der Systeme.

MED: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Frodl.

Das Interview führte Carola Tesche

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