Portal für Konstruktion und Entwicklung
von Medizin- und Laborprodukten


Zurück


Daten so flüchtig wie eine Wolke?

Veränderung mit weitreichenden Folgen

Zum Ende von Microsofts Cloud-Angebot mit deutscher Daten-Treuhänderschaft und zu den weitreichenden Auswirkungen äußert sich Karsten Glied, Geschäftsführer der Techniklotsen GmbH: „Ende 2015 hatte der Softwarekonzern Microsoft infolge der NSA-Affäre den Service einer ‚deutschen Cloud' aufgebaut – keine drei Jahre später wird das System wieder ausgemustert. Die Deutsche Telekom fungierte als Treuhänder und Datenverwalter, sodass Microsoft in der Regel keinerlei Zugriff auf die Informationen der Kunden hatte. Hier war besonders der Zugriff durch US-Behörden mit EU-Recht nach Aufkündigung von Safe-Harbour rechtlich problematisch. Auch nach Aufforderung amerikanischer Behörden wollte das Unternehmen bisher keine Daten aushändigen.

Dies war rechtlich umstritten war und Microsoft führte deswegen ein Gerichtsverfahren gegen die USA, das allerdings eingestellt wurde. Nun hat der Konzern das Angebot jedoch endgültig zum Auslaufmodell erklärt. Zukünftig wird Microsoft nur noch auf die eigene Cloud setzen: Über zwei weitere Rechenzentren in Deutschland soll die neue Lösung in Form von komplett selbstgeführten, nicht mit der Telekom verbundenen Systemen an das internationale Netzwerk angeschlossen werden. Letztlich schwingt sich das Unternehmen damit zum Rechenzentren- und Softwaremonopolisten auf.

Eine fatale Entwicklung einerseits für den europäischen Datenschutz und andererseits für den freien Markt: Die Daten verbleiben zwar in Deutschland, sind aber nicht mehr ausreichend vor fremden Zugriffen geschützt – geradezu eine Konterkarierung der geltenden Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Dazu kommt noch, dass durch die Monopolstellung eine nicht zu unterschätzende Abhängigkeit vom Weltkonzern entsteht. Microsoft sichert den Schutz der Informationen zwar zu, vom Kunden lässt sich dies aber keineswegs nachprüfen. Denn der sogenannte Cloud Act, ein Anfang des Jahres in Kraft getretenes amerikanisches Gesetz, sieht vor, dass amerikanische Firmen US-Ermittlungsbehörden grundsätzlich Zugang zu Daten eigener Bürger gewähren müssen, auch wenn sie außerhalb der USA gespeichert sind. Dabei bleiben die Datenschutzbestimmungen anderer Länder grundsätzlich außen vor. Somit zieht der Konzern alle Kunden in eine Datenwolke, die aufgrund des Cloud Acts nicht DSGVO-konform ist. Ein regelrechtes Desaster für alle Schützer des Persönlichkeitsrechts. Betroffen sind alle, die Office-365-Anwendungen wie Word, Outlook, Excel und Co. verwenden.

Bisher gibt es die On-Premises-Versionen noch als Kaufsoftware für lokale Rechner, es fragt sich nur wie lange noch. Microsoft versichert zwar, sich auch in Zukunft an die DSGVO zu halten – ob dies allerdings im Zuge der jüngsten Entscheidung zum Cloud Act und dem noch immer bestehenden Patriot Act überhaupt möglich ist, bleibt fraglich. Diese neuen Entwicklungen sollten ein echter Weckruf für andere Softwareanbieter sein. Meiner Ansicht nach sind nun die Hersteller in sämtlichen Branchen aufgerufen, das Problem anzupacken und endlich echte Alternativen zu schaffen, sonst sind Datenschutzbrüche vorprogrammiert. Besonders im Bereich der Sozial- und Gesundheitsbranche mit vielen höchst sensiblen Daten handelt es sich bei der Entscheidung von Microsoft um eine Veränderung mit voraussichtlich weitreichenden Folgen. Hier muss schnellstens eine Lösung her, bevor sich die Datensicherheit so schnell auflöst wie Wolken nach einem Regenschauer."

www.techniklotsen.de


Zurück

    Newsletter Anmeldung

    Termine

    21.03.2019

    MedTech.Factory

    Mehr
    08.10.2019, Messe Karlsruhe

    DeburringEXPO

    www.deburring-expo.de

    Mehr
    22.10.2019, Messegelände Stuttgart

    parts2clean

    www.parts2clean.de

    Mehr
    14.11.2019

    DIGITAL MEDTE CH

    Mehr

    Bild der Woche

     

    Industrielle Ausgangsstoffe biologisch produzieren

    Die Industrie verbraucht große Mengen Erdöl, um daraus Ausgangsstoffe für Medikamente, Kosmetik, Kunststoffe oder Lebensmittel herzustellen. Diese Prozesse kosten jedoch viel Energie und erzeugen Abfall. Nachhaltiger sind biologische Verfahren mit Enzymen. Die Eiweißmoleküle können unterschiedlichste chemische Reaktionen katalysieren, ohne Hilfsstoffe oder Lösungsmittel zu verbrauchen. Jedoch sind sie teuer und daher bislang ökonomisch unattraktiv. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben nun ein neues Biomaterial entwickelt, das den Einsatz der Enzyme stark vereinfacht. Die Ergebnisse stellen sie in der Zeitschrift Angewandte Chemie vor.

    Mehr dazu